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Jetzt wird's eng

Mit dem Tourenrad in Japan

albano, Fukuoka (Japan) im Januar 2000

Japanische Radstreifen seien für Tourenradler nicht geeignet, da viel zu eng, heisst es in einem Reiseführer. Das stimmt. Eigentliche Radstreifen findet man allerdings relativ selten. Meist müssen die Radfahrer zu den Fussgängern. Im besseren Fall ist für die Fahrräder die eine Seite des Bürgersteigs reserviert, im schlechteren, und dieser ist weitaus häufiger, ist keine klare Regelung ersichtlich, so dass Fussgänger und Radfahrer einfach irgendwie schauen müssen, wie sie aneinander vorbeikommen. Das klappt mit den höflichen Japanern grundsätzlich sehr gut, hat aber den entscheidenden Nachteil, dass man mit dem Zweirad oft nicht schneller vorwärts kommt als zu Fuss.

Die Regeln für Fahrräder sind also hier in Japan (und nicht nur in Japan) eindeutig auf den Hausmann zugeschnitten, der mal eben um die Ecke Zigaretten holen geht, da schönes Wetter per Pedes oder eben mit dem Rad. Diese Betrachtungsweise trägt lange nicht allen Fahrrädern und Radfahrertypen Rechnung. Kommt man nun also mit dem schwerbeladenen Tourenrad oder gar mit einem Anhänger daher, kann es durchaus schwierig werden. In ganz gemeinen Fällen lockt einen die Signalisation in einen breiten Radstreifen, der sich weiter hinten als Sackgasse oder, mit der gleichen Konsequenz, dem Umkehren nämlich, als Engpass erweist. Ab und zu ist man gehalten, Personenüber- oder -unterführungen zu benützen und das Rad über einen schmalen Streifen am Rand der Treppe oder in deren Mitte zu stossen.

Bei näherer Betrachtung entdeckt man aber auch einige Radfahrer, die sich unter den motorisierten Verkehr gemischt haben, dazu gehören Rennfahrer, Radkuriere und natuerlich die Benützer der seltenen Anhänger. Auch ich gehe mit meinem bepackten Gefährt lange nicht immer den für Fahrräder vorgesehenen Weg und habe deswegen nie Probleme mit den Gesetzeshütern. Viel besorgter darum, wo man sich mit dem Rad genau durchschlängelt, sind die Leute, welche die Baustellen sichern und mit Leuchtkellen den Verkehr regeln. Sie sind so eifrig, dass man sich kaum traut, sich ihren Vorschlägen zu widersetzen.

Auf Land- und Stadtstrassen fällt man auf dem Rad zwar ziemlich stark auf, wird aber meist von den Motorisierten mit Respekt behandelt. Falls Zweiräder auf einem Abschnitt (enge Brücken und Unterführungen, kreuzungsfreie Schnellstrassen) wirklich nicht erwünscht sind, ist dies auch deutlich signalisiert, was vergleichsweise selten der Fall ist. Und sogar hier hat niemand etwas gegen Schwerverkehr auf zwei Rädern einzuwenden, wenn es kein anderes Durchkommen gibt. Auch noch zu erwähnen ist, dass das Strassennetz, wie es sich für ein entwickeltes Land gehört, gut ausgebaut ist. Es hat also auch eine Fülle von Nebenstrassen und -strässchen mit weniger Verkehr, welche mit einer guten Karte leicht zu finden sind. Japanische Radstreifen sind für Tourenradler wirklich nicht geeignet, aber es hat ja auch noch andere Strassen.

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2.5.2000 albano & team