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Warum Fahrräder nicht gerne fliegen

albano, San Francisco (USA) im September 1998

Sobald ein Velo transprotiert werden muss, werden die paar Kilo Metall, Kunststoff und Gummi zu einem sperrigen Unding. Zwar kann man einige Teile abschrauben und einklappen, aber Rahmen und Räder behalten meist ihre mühsame Grösse.

Am schwierigsten ist es, ein Fahrrad flugzeuggerecht zu verpacken. Vom Check-in bis zur Gepäckausgabe verliert man die Kontrolle über das gute Stück. Leider ist es zudem nicht einmal möglich, das Velo auf die Masse eines normalen Gepäckstücks zu reduzieren. Es ist also Sperrgut - nicht gerade eine schmeichelhafte Bezeichnung für etwas, das einem so ans Herz gewachsen ist. Entsprechend speziell sind denn auch die Tarife. Je nach Gesellschaft und Flug bezahlt man einen beträchtlichen Zuschlag, was nicht bedeutet, dass diese Güter dann speziell sorgfältig behandelt werden.

Anfangs September musste mein Tourenvelo mit mir nach Seattle. Ich entschied mich für eine dünne Transporttasche. Sattel und Lenker wurden eingefahren und die Räder seitwärts angebunden. Ausserdem montierte ich den vorderen Gepäckträger ab und steckte ihn zwischen Unterrohr und Gabel. Zur Polsterung band ich schliesslich die leeren hinteren Velotaschen seitwärts an die Räder.

So verpackt vertraute ich mein Fahrrad in Kloten der Lufthansa an und bezahlte dafür Fr. 100.-- extra. In Frankfurt wurde es ohne mein Beisein umgeladen, und etwa einen halben Tag später fand ich es in New York auf einen Fliessband wieder, anstatt wie erwartet bei der Sperrgutausgabe. Die Fliessbandverarbeitung hatte dem Velopaket leicht zugesetzt, doch die Schäden hielten sich in Grenzen - einige kleine Risse in der Hülle, verbogenes Schutzblech, verrutschter Bremshebel.

Viel Schlimmeres erwartete ich, als ich mein Velo für den Weiterflug nach Seattle drei Tage später für 50 US-Dollar aufgab. Ich musste nämlich aine Haftungsbeschränkung unterzeichnen, weil das Gepäckstück ungenügend verpackt sei, dabei hatte ich mir diesmal noch mehr Mühe gegeben. Zu meinem Erstaunen fand ich meinen fahrbaren Untersatz im Seattle-Tacoma International Airport in einwandfreiem Zustand wieder, und zwar diesmal bei der Sperrgutausgabe, bewacht von mindestens drei Mitarbeitern.

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© 16.12.1998 albano & team